Nachfolgend Rezensionen zum Roman

"Entwurzelte Schatten"

 

Passauer Neue Presse

"Die geköpfte Frau in der Teufelsküche"

von Dr. Stefan Rammer


Regionalkrimis landauf, landab, eigentlich zum Abwinken, zumal kaum wirklich gute darunter sind und die meisten zu Massenkonsumartikeln geworden sind. Doch es gibt Ausnahmen, eine solche ist der Roman von Uschi und Klaus Pfaffeneder. Er spielt in Landsberg am Lech, er benennt Orte, die Eigenheiten der Bewohner und spielt mit den geografischen Gegebenheiten der oberbayerischen am Lech zwischen Schwaben und Altbayern gelegenen Stadt. Das Verbrechen kennt ohnehin keinen Ort, es geschieht in der Groß- wie in der Kleinstadt, in der Provinz wie in der Metropole.
Der Roman spielt um den Jahreswechsel 2015/16. Der seit kurzen pensionierte Kriminalhauptkommissar Martin Viertaler kommt durch Zufall an den Ort eines grausamen Verbrechens. Ein joggender syrischer Flüchtling, der ihn kurz zuvor noch überholt hat, findet in der »Teufelsküche« eine kopflose Frauenleiche und läuft davon, geschockt ob der grausamen Szene, die ihn an den Krieg in seiner Heimat erinnert. Es kommt, wie es kommen muss, Selahattin wird als Täter verdächtigt und festgenommen. Doch Viertaler weiß von Anfang an, dass der junge Mann es nicht gewesen sein kann. Doch erst einmal lässt er seinen Nachfolger Ingo Bayerl Vermutungen anstellen. Dieser, ein arroganter und unsympathischer Ehrgeizling, will den alten Haudegen nicht dabeihaben. Doch dessen Spürsinn ist entfacht, zumal es sich bei dem Flüchtling um seiner Schützling von Gertrud handelt, der besten Freundin seiner vor zwei Jahren verstorbenen Frau. Die Tote ist die ehemalige Inhaberin eines Friseurgeschäfts, eine verbitterte und unfreundliche »Ratschkathl«, die es sich mit ihrem Umfeld verdorben hat.


Bald ist das weitere Personal eingeführt. Petra, die Tochter der Toten, ihr Chef, der sich an die junge Frau ranmacht und eine ziemlich zwielichtige Figur ist. Auch der Käufer des Friseurgeschäfts, ein Türke, wird verdächtigt. Ingo Bayerl verdirbt es sich rasch mit den Kollegen vor Ort. Viertaler bekommt von einem jüngeren Beamten die aktuellen Ermittlungsergebnisse gesteckt und beginnt zusammen mit Gertrud die Spuren zu sichten und eins und eins zusammen zu zählen.
Viertaler, der bei seiner Passauer Großmutter erlebt hat, dass das alte Brauchtum um die Raunächte zwischen Weihnachten und Heiligdreikönig immer noch gut verwurzelt ist, glaubt freilich nicht an Verschwörungstheorien. Aber die alten Sagen und Mythen, die Gertrud gerne erzählt, bringen ihn dieser Frau näher. Lange genug hat er getrauert und Gertrud scheint ihn auch zu mögen. Unterdessen wird dem Leser langsam klar, wer hinter dem ersten und dem später sich ereignendem zweiten Mord steht. Der Krimi ist klug aufgebaut, authentisch. Logischer Sinn für Ablauf, dramatisches Tempo, treffende Anwendung beobachteter Details und mehr als bloß konventionelles gutes Erzählen zeichnen ihn aus. Emotion und stimmige Handlungsstränge kommen hinzu. Und dazwischen eingestreut nachdenkliche Worte über das Verhalten den aktuellen Flüchtlingen gegenüber, aber auch über das Misstrauen gegenüber allen Fremden. Und der Zeigefinger wird nicht erhoben, jegliche oberlehrerhafte Weisheiten oder Klischees werden umgangen. Gerne lesen wir mehr von diesem Autorenduo und seinem Martin Viertaler.


Fürstenfeldbrucker Tagblatt / MERKUR

  

Neuer Heimatkrimi mit einem Brucker Kommissar

 

Von Tom Eldersch

  


In Uschi und Klaus Pfaffeneders erstem Lech-Krimi wird während den Rauhnächten eine kopflose Frau gefunden und der Verdacht des Kriminalkommissars Bayerl aus Fürstenfeldbruck fällt auf einen syrischen Flüchtling, der als Erster am Tatort war.

 

Fürstenfeldbruck/Landsberg – In diesem Einstieg in das Werk „Entwurzelte Schatten“ steckt alles drin, um was es in dem Buch geht. Ein mysteriöser Mord, die Flüchtlingskrise, die natürlich auch an Landsberg nicht unbemerkt vorbeigegangen war und die traditionelle Sagenwelt der Lechrain-Gegend.

    

Der pensionierte Kriminalhauptkommissar Martin Viertaler stolpert durch Zufall am Morgen nach der ersten Rauhnacht über eine kopflose Frauenleiche. Nachdem sein Nachfolger Bayerl vorschnell einen Flüchtling verdächtigt, macht sich Viertaler mit einer guten Freundin auf die Suche nach dem wahren Mörder.

Dass er und der neue Mann aus der Amperstadt dabei keine Freunde werden, ist abzusehen. Auch die stereotypischen Verdächtigungen des Kripobeamten, ein Syrer oder ein türkischer Friseur könnten der Täter sein, sind reichlich vorschnell getroffen und bringen Bayerl den unrühmlichen Titel „Gscheidhaferl“ ein. Die wahren Hintergründe des Mordes sind weitaus verworrener und das Finale ist spannend und unerwartet.

    

Obwohl das der erste Kriminalroman des Landsberger Schriftsteller Ehepaars ist, ist es nicht Viertaler erster Auftritt. Bereits in einer früheren Anthologie hat Uschi Pfaffeneder den reservierten Ex-Polizisten eingeführt. „Wir haben uns dann gedacht, wir wollen einen ganzen Roman um Viertaler aufmachen und so entstand Entwurzelte Schatten“, erzählt Klaus Pfaffeneder, der neben dem Schreiben als Ingenieur arbeitet.

Seit etwa zehn Jahren schreiben die beiden Eheleute an ihren Geschichten und inzwischen sind fünf Bücher daraus entstanden. Sie haben in Zusammenarbeit mit der Stadt Landsberg drei Anthologien herausgebracht, in der jeweils 15 ausgewählte Geschichten zusammengefasst sind und Klaus Pfaffeneder hat zusätzlich noch einen historischen Roman mit dem Namen „Der Baumeister von Landsberg“ veröffentlicht.

Wenngleich sich ihre Bücher gut verkaufen, arbeiten beide noch in ihren normalen Berufen. Klaus ist Ingenieur und pendelt häufig zwischen Landsberg und Baden-Württemberg hin und her. „Auf den Fahrten hat man viel Zeit fürs Schreiben“, sagt der 55-Jährige. Uschi arbeitet in der Kinderbetreuung und leitet nebenbei noch eine Schreibwerkstatt bei der Volkshochschule.

  

Ein Jahr haben die beiden an ihrem Lech-Krimi gearbeitet, davon fiel ein Viertel der Zeit nur auf die Recherche. „Bei meinem historischen Roman waren es fast 50 Prozent Recherche“, erzählt der Autor. Anschließend erstellten sie den Plot der Geschichte und die Charaktere, um dann einen Kapitelplan zu erstellen.

„Jeder muss wissen, was er schreiben soll, sonst funktioniert das zu zweit nicht“, erklärt Pfaffeneder. Am Ende wird alles zusammengebracht und abgeschliffen und fertig ist der Roman.

  

Derzeit arbeitet das Landsberger Schriftsteller-Ehepaar bereits an einem Fortsetzungsroman für Viertaler und seinen Fürstenfeldbrucker Nachfolger Bayerl. Und diesmal soll der teilweise doch sehr unsympathische Kripo-Beamte in ein besseres Licht gerückt werden. Wahrscheinlich Ende des Jahres können sich also Krimi-Liebhaber auf einen neuen, spannenden Roman mit Lokalkolorit freuen.

  


Das Böse schleicht durch Landsbergs Gassen

In Uschi und Klaus Pfaffeneders neuem Lech-Krimi kommt eine kopflose Frauenleiche in der Teufelsküche vor. Warum das Autorenduo keinen „Konsum-Heimatkrimi“ schreiben will. Landsberger Tagblatt, von Silke Feltes

  

„Entwurzelte Schatten“ heißt der neue Lechkrimi von Uschi und Klaus Pfaffeneder. In der Landsberger Buchhandlung Osiander gab das Autorenduo jetzt eine Lesung.

 

Eine kopflose Frauenleiche an der Teufelsküche. Ein syrischer Flüchtling, der zum Tatzeitpunkt dort entlang joggt. Das kann kein Zufall sein. Der pensionierte Landsberger Kriminalhauptkommissar Martin Viertaler glaubt an die Unschuld des Flüchtlings. Sein Nachfolger urteilt aber vorschnell. Das sind die tragenden Elemente des neuen Lechkrimis von Klaus und Uschi Pfaffeneder. Erstmals treten die beiden als Autorenduo auf, Klaus Pfaffeneder ist bereits bekannt als Autor von „Der Baumeister von Landsberg“, seine Frau hat einige Kurzgeschichten zu den im hauseigenen Liccaratur-Verlag herausgegebenen Krimi-Anthologien beigetragen.

Zur Feier der Veröffentlichung von „Entwurzelte Schatten“ haben die Autoren in die Buchhandlung Osiander eingeladen. Es werden Mohnschnecken gereicht. Erik Müller und Matthias Bober umrahmen die Lesung mit schaurig-gruseligen Gesangs- und Gitarreneinlagen. Den Pfaffeneders war es wichtig, keinen „Konsum-Heimatkrimi“ zu schreiben, sie haben den Anspruch, aktuelle und sozialkritische Themen zu verarbeiten, sei es die Flüchtlingskrise oder die Sinnsuche vieler Menschen.

Spirituell und kulturhistorisch interessant

Die Romanfigur Gerti aus dem Klösterl-Viertel ist spirituell und kulturhistorisch interessiert, dazu ist sie die Betreuerin des in U-Haft sitzenden Syrers Selahattin. Dass sie gleichzeitig die attraktive beste Freundin von Viertalers verstorbener Frau ist, macht die Sache für den Ex-Kommissar nicht einfacher. Des Weiteren spielen ein fieser Unternehmer, die Tochter der ermordeten Friseurin sowie Viertalers ehemaliger Kollege bei der Polizei eine Rolle. Man trifft sich im Fischerwirt oder in der Villa Rosa, besucht einen Friseur im Hinteranger und spaziert am Lech entlang. Das Ende ist natürlich überraschend.

Das Reizvolle eines wahren Heimatkrimis ist die Regionenverbundenheit, und da gelingt es den Autoren wunderbar, die Landsberger Szenerie zu vermitteln, auch wenn dem Roman ein wenig mehr Feinschliff gutgetan hätte.

Sie leiten seit 2010 die Schreibwerkstatt

Klaus und Uschi Pfaffeneder leiten seit 2010 die Schreibwerkstatt der Vhs. Klaus ist Leitender Ingenieur im Maschinenbaubereich, hat aber als Jugendlicher bereits für das LT geschrieben. Uschi arbeitet, nachdem die drei Söhne erwachsen sind, in der Mittagsbetreuung der Katharinenschule, zuvor hat sie ein Studium der katholischen Theologie absolviert. Schon früher habe sie gerne die Pfarrbriefe verfasst. Um das schriftstellerische Handwerkszeug zu verbessern, sind beide 2008 in die Schreibwerkstatt eingetreten, die sie nach Ausscheiden des Vorgängers Christoph Altmann 2010 übernommen haben. Gleich zu Beginn planten die beiden ein gemeinsames Projekt, zu dem alle Teilnehmer Kurzgeschichten beisteuerten, eine Krimi-Anthologie.

Sie gründeten ihren Liccaratur-Verlag und sahen sich mit allen Schwierigkeiten eines Verlegers konfrontiert: Anspruchsvolle Autoren, die nur wenig Lektorat vertrugen, dazu den Werbemechanismus des Buchhandels. Nach „Der Hai im Lech“ (2010) kamen zwei weitere Anthologien heraus: „Die Spur führt an den Lech“ (2013) und „Sagenhafte Verbrechen aus dem Lechrain“ (2016), bevor Klaus Pfaffeneder ein lange gehegtes Projekt in Angriff nahm: Den historischen Roman „Der Baumeister von Landsberg“, ein 600-Seiten-Werk. Der Run auf das Buch war bayernweit groß, 2015 war es im Landkreis das meistverkaufte Buch.

Der Krimi als einfaches Projekt

Im Vergleich dazu ist ein Krimi ein einfaches Projekt, findet Klaus Pfaffeneder. Insgesamt ein Jahr waren die beiden damit beschäftigt. Schreiben ist schön, sagt Klaus Pfaffeneder, aber der eigentliche Aufwand kommt erst danach: Das Lektorat, der Grafiker, die Druckerei und die Vermarktung. Ihr neues Buch „Entwurzelte Schatten“ sei „so gut wie noch kein Buch gestartet“.

Wer wissen will, wie es ausgeht, muss es lesen, sagt Uschi Pfaffeneder, geht mit dem Gebäck durch die Zuschauerreihen und schiebt nach: „Übrigens hat das Mordopfer auch Mohnschnecken gegessen, bevor sie umgebracht wurde.“

 

 

 

 

 

 

 

„Entwurzelte Schatten“ heißt der neue Lechkrimi von Uschi und Klaus Pfaffeneder. In der Landsberger Buchhandlung Osiander gab das Autorenduo jetzt eine Lesung. Foto: Thorsten Jordan