Liccaratur-Blog
03.05.2026
Die Landsberger Teufelsküche – Ein Ort voller düsterer Legenden
Heute stellen wir euch die Landsberger Teufelsküche vor - Schauplatz des Kriminalromans “Entwurzelte Schatten” und der Sagen-Anthologie “Sagenhafte Verbrechen aus dem Lechrain”.
Unweit von Landsberg am Lech verbirgt sich ein Ort, der seit Jahrhunderten die Fantasie der Menschen beflügelt und zugleich ein leises Unbehagen auslöst: die Teufelsküche. Die wildromantische Schlucht ist nicht nur landschaftlich beeindruckend, sondern auch tief verwurzelt in den düsteren Überlieferungen der Region.
Zwischen Naturidylle und Aberglauben
Die Teufelsküche wirkt auf den ersten Blick wie ein verwunschener Rückzugsort. Doch wer genauer hinhört, stößt schnell auf die alten Geschichten, die sich die Bewohner von Landsberg und dem nahegelegenen Pitzling seit Generationen erzählen. Man berichtet von geheimnisvollen Wesen, die dort ihr Unwesen treiben sollen: den Holzweiblein und den Hojemännlein – scheue Gestalten, die angeblich im Dickicht der Schlucht hausen und sich nur selten zeigen.
Doch es sind nicht nur diese mythischen Wesen, die dem Ort seinen unheimlichen Ruf verleihen.
Ein Ort für Ausgestoßene
Die Teufelsküche galt lange als letzte Ruhestätte für jene, die keinen Platz auf dem Friedhof fanden. Geächtete, Ausgestoßene und Menschen, die zu Lebzeiten schwere Schuld auf sich geladen hatten, wurden hier verscharrt.
Eine besonders eindrückliche Geschichte erzählt von einer Köchin aus Igling. Sie hatte Gelder veruntreut, die eigentlich für die Armen bestimmt waren. Nach ihrem Tod glaubte man, sie müsse wegen ihrer Schuld ruhelos umherwandeln. Aus Angst vor ihrem Geist wurde ihr Leichnam schließlich exhumiert und in die Teufelsküche gebracht – ein Ort, der als passend für ihre Sünden erschien.
Der kopflose Ratsherr
Eine der bekanntesten Legenden handelt von einem Landsberger Ratsherrn. Dieser hatte mit einer ehemaligen Magd aus Pitzling ein Verhältnis – ein schweres Vergehen in jener Zeit, auf das die Strafe der Enthauptung stand.
Auf dem Heimweg ereilte ihn sein Schicksal: Er stürzte von einem Steg in die Tiefe der Schlucht und kam ums Leben. Doch damit war seine Geschichte nicht zu Ende. Der Überlieferung nach musste er fortan als kopfloser Geist in der Teufelsküche umherwandeln – eine ewige Strafe für seinen Ehebruch.
Die Hexe von Pitzling
Noch düsterer ist die Geschichte einer Frau aus Pitzling, die im 18. Jahrhundert lebte und von den Dorfbewohnern gemieden wurde. Man hielt sie für eine Hexe.
Als sie starb, schien sich diese Angst zu bestätigen. In der Walpurgisnacht – jener Nacht, die seit jeher mit Hexenspuk in Verbindung gebracht wird – erhellten Wetterleuchten und Donner den Himmel. Als die Bewohner am nächsten Morgen ihr Grab überprüften, fanden sie es offen und leer vor. Statt eines Leichnams lag dort lediglich ein Haufen Kohle.
Mutige Bürger beschlossen, die unheimlichen Überreste in die Teufelsküche zu bringen. Doch auf dem Weg dorthin geschah Unfassbares: Die Kohlen begannen zu explodieren, und über der Prozession erschien die Gestalt der alten Frau – schwebend, drohend und alles andere als erlöst.
Ein Ort, der Geschichten atmet
Ob man an diese Geschichten glaubt oder sie als Teil regionaler Folklore betrachtet – die Teufelsküche bleibt ein Ort, der seine Besucher nicht unberührt lässt. Zwischen moosbewachsenen Felsen und dem Rauschen des Wassers scheint es, als würde die Vergangenheit hier noch immer nachhallen.
Vielleicht ist es genau diese Mischung aus Natur, Geschichte und Gänsehaut, die den Reiz dieses besonderen Ortes ausmacht. Wer die Teufelsküche besucht, betritt nicht nur eine Schlucht – sondern ein Stück lebendige Legende.
Das linke Bild stammt von Anton Lichtenstern, zu Anfang des 20. Jahrhunderts.
Admin - 15:55:30 @ Allgemein, Historische Romane, Kriminalromane, Anthologien, Autorenleben

